Verlandungen am Ammersee Südende – eine Bilderreise in seine Vergangenheit
Am 6. März 2025 fand im Kurparkschlösschen in Herrsching ein gut besuchter Vortrag statt, zu dem der Archäologische Verein Herrsching und der Verein Kulturlandschaft Ammersee-Lech e.V. gemeinsam eingeladen hatten. Referent des Abends war Dr. Christoph Sening, ein ehemaliger Verwaltungsrichter aus Pöcking, der durch seine tiefe Verbundenheit zur Ammersee-Region und sein Engagement als Heimatforscher bekannt ist. Mit viel Sachkenntnis und Herzblut widmete er sich in seinem Vortrag dem Thema der Verlandungen am Ammersee-Südende, um auf die ökologischen Veränderungen in dieser einzigartigen Landschaft aufmerksam zu machen.


Abendstimmung am Ammersee vor dem Kurparkschlösschen in Herrsching

Dr. Sening lebte mehrere Jahre am Ammersee und fühlt sich dieser Region sehr verbunden. Neben seiner juristischen Karriere hat er sich als engagierter Heimatforscher einen Namen gemacht. Unterstützt vom Verein Kulturlandschaft Ammersee-Lech e.V. veröffentlichte er die Broschüre „Verlandungen am Ammersee Südende – eine Bilderreise in seine Vergangenheit“. Darin beschreibt er die Entwicklung des Sees von der Eiszeit bis heute, ergänzt durch historische Fotos seines Vaters – eines Fotografen, der Senings Liebe zur Fotografie und sein Gespür für Details prägte – sowie eigene Aufnahmen. Diese Dokumentationen verdeutlichen eindrucksvoll die Veränderungen in der Landschaft, insbesondere die fortschreitende Verlandung.


Gut gefüllter Vortragssaal im Kurschlösschen

In seinem Vortrag führte Dr. Sening die Zuhörer durch die bewegte Geschichte des Ammersees. Er begann mit der Eiszeit, als Gletscherbewegungen durch das Abladen von Geröllbergen die Landschaft mit ihren seichten Hügeln, Schotterkegeln und Endmoränen formten. Im Gegensatz zum Starnberger See, der hauptsächlich durch kleine Bäche und Grundquellen gespeist wird, erhält der Ammersee sein Wasser durch die Ammer, einem mächtigen Alpenzufluss. Dieser trägt jährlich etwa 5.000 Tonnen Kies und 93.000 Tonnen Schwebstoffe in den See ein – eine der Hauptursachen für die Verlandung. Am Zufluss der Ammer in den Ammersee kam es stets zur Deltabildung, vergleichbar mit den Deltamündungen in Kochel im Loisachtal oder am Tegernsee durch die Weissach. Doch anders als dort kann der Deltabildung an der Ammer-Mündung nicht durch Kiesentnahme entgegengewirkt werden.


Der Referent Dr. Christoph Sening

Bereits im 18. Jahrhundert erkannten die Chorherren des Klosters Dießen die Bedrohung durch die Verlandung und leiteten bauliche Maßnahmen ein. Ihre Motivation war doppelt: Ein längerer Flusslauf sicherte größere Fischereigebiete, und sie wollten verhindern, dass Dießen vom See abgeschnitten wird. Der von ihnen begonnene Kanalbau gilt als frühe technische Meisterleistung und als Denkmal höchster Qualität, das nach Dr. Sening bis heute nicht entsprechend gewürdigt wird. Ein Votivbild aus dem Jahr 1745, das einst in der ehemaligen St. Johann auf Heiligenstätten hing, zeigt den alten Griesweg in den Hofgarten, die verbreiterte Flussmündung und die Kirche Sankt Josef – das damalige Ortsende des Marktes Dießen. Die Darstellung unterstreicht die damalige Bedeutung dieses Themas für die Region. Nach der Säkularisierung und der Auflösung des Klosters wurde der Kanalbau jedoch nicht fortgesetzt, wodurch die Deltabildung wieder einsetzte.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Flusslauf der Ammer reguliert: die Ammer wurde von 25 auf 13 Kilometer verkürzt und Wehre wurden eingebaut, um die Fließgeschwindigkeit zu reduzieren. Diese Maßnahmen förderten jedoch die Verlandung weiter. Der alte Ammerlauf, laut Dr. Sening ein einzigartiger Naturraum und landschaftliches Juwel, führt heute trotz baulicher Maßnahmen, zu wenig Wasser. Dieser Zustand wird durch Strömungshindernisse wie Totholz und dem Eintrag von Sedimenten verschärft. Aktuelle Probleme wie Biberverbiss und die Missachtung der Schutzstreifen gemäß dem Bayerischen Naturschutzgesetz tragen zusätzlich zur Verschlechterung bei. Besonders belastend ist die Landwirtschaft: Der Anbau von Mais und Weizen bis unmittelbar ans Ufer führt dazu, dass Düngemittel ins Wasser gelangen und den ökologischen Wasserhaushalt schädigen.


von links: Dr. Christoph Sening , Friedrike Hellerer (Archeologischer Verein Herrsching), Dr. Sabine Pfannenberg, Jürgen Bruchhaus (Vorsitzende und Kassier Kulturlandschaft Ammersee-Lech e.V.)

Dr. Senings Vortrag war mehr als eine historische Rückschau – er war ein Appell, die ökologischen Veränderungen am Ammersee ernst zu nehmen. Mit seiner Broschüre und seinem Engagement leistet er, unterstützt vom Verein Kulturlandschaft Ammersee-Lech e.V., einen wertvollen Beitrag zur Dokumentation und zum Erhalt dieser Region. Der Abend im Kurparkschlösschen machte deutlich, wie wichtig es ist, die Vergangenheit zu verstehen, um die Herausforderungen der Gegenwart zu meistern.