St. Johannes Baptist in Deutenhausen – ein Kleinod mit vielen Jahrhunderten Geschichte
Den Auftakt unseres Tagesausflugs rund um Weilheim bildete die Führung durch die Kirche St. Johannes Baptist in Deutenhausen. Kreisheimatpfleger Klaus Gast, zugleich Vorsitzender des Heimatverbands Lech-Isar-Land e. V., machte die Geschichte und die zahlreichen Kunstschätze des kleinen Gotteshauses anschaulich und lebendig.


Klaus Gast mit dem Kirchenschlüssel

Deutenhausen – ein Ort mit langer Geschichte
Der Ort selbst blickt auf eine lange Geschichte zurück. Deutenhausen wird bereits 1083 als „Tutenhusen“ urkundlich erwähnt. Der Name geht auf den Personennamen Tuto beziehungsweise Teuto zurück. Die Edlen von Deutenhausen, waren die Grundherren und hatten die Kirche für die Menschen ihres Herrschaftsbereichs zu stellen.
Die Lage des Ortes im eiszeitlich geprägten Angerbachtal war günstig: Die Siedlung lag in der Nähe des Wassers, zugleich aber hoch genug, um vor Überschwemmungen geschützt zu sein. Aus dem ursprünglichen kleinen Siedlungsverband mit wenigen Höfen und einer Mühle entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte das heutige Dorf.
Eine Votivtafel aus dem Jahr 1733 zeigt eine Ansicht von Deutenhausen und vermittelt den Eindruck vom damaligen Erscheinungsbild des Ortes. Bemerkenswert ist dabei die Darstellung eines Maibaums, die als eine der  ältesten bekannten Darstellung eines Maibaums gilt. Auffällig ist die wiederkehrende gemeinsame Darstellung von Maria mit dem Jesuskind und den beiden Johannes (dem Täufer und dem Evangelisten. Darstellungen befinden sich auf dem Ölbild, dem Deckenfresko und dem Altar. Sie verbinden das Kirchenpatrozinium mit der besonderen Bedeutung Deutenhausens als ehemaligem Wallfahrtsort.



Votivtafel von Antoni Eberlle, 1733. Das Bild zeigt Maria mit Jesus , die beiden Johannes und eine historische Darstellung des Ortes Deutenhausen. 


Detail der obigen Votivtafel. Man erkennt den ehemaligen Westeingang der Kirche St. Johannes Baptist für Wallfahrer aus Weilheim und in der Mitte den Maibaum.

Von der Eigenkirche zur Pfarrkirche
Im Kern geht der heutige Kirchenbau vermutlich auf das 11. Jahrhundert zurück. Ursprünglich war St. Johannes Baptist eine Eigenkirche der Edlen von Deutenhausen. 1199 übergaben die Edlen  von Deutenhausen die Kirche an das nahegelegene Kloster Polling.
Die Pfarrei wurde fortan von Polling aus betreut. Da der zuständige Geistliche nicht ständig vor Ort war, es gab keinen eigenen Pfarrhof, wurden Geistliche aus dem Kloster nach Deutenhausen entsandt, die dort die Predigt und die seelsorgliche Betreuung übernahmen. Diese Verbindung blieb bis zur Säkularisation 1803 bestehen. Besonders bemerkenswert ist, dass auch der spätere Pollinger Propst Franz Töpsl, ein bedeutender Gelehrter des Klosters, in den 1740er Jahren in Deutenhausen wirkte. Seine Predigten aus dieser Zeit sind heute noch in der Bayerischen Staatsbibliothek erhalten.

Ein Kirchenraum voller Geschichte
Bereits im Vorraum der Kirche beginnt die Begegnung treffen zwei Christusdarstellungen aus ganz unterschiedlichen Epochen aufeinander: der um 1770 entstandene „Christus mit der Schulterwunde“, eine für die Barockzeit charakteristische Darstellung des leidenden Christus, und der deutlich ältere „Heiland in der Rast“, der um 1510/1520 entstanden ist und möglicherweise Thomas Krummper zugeschrieben wird. Bereits diese beiden Figuren machen deutlich, wie viele Jahrhunderte Kunstgeschichte in der kleinen Kirche bewahrt sind.
Der Vorraum erinnert zugleich an die frühere Bedeutung des Gotteshauses als Ziel von Wallfahrten. Auf der Westseite befand sich einst ein eigener Eingang für die Pilger aus Weilheim. Dieser wurde erst 1930 zurückgebaut.


„Christus mit der Schulterwunde“, 1770 – charakteristisches Motiv der barocken Passionsfrömmigkeit


„Heiland in der Rast“, um 1510/1520, möglicherweise von Thomas Krummper

Der erste Eindruck – ein überraschend geschlossener Kirchenraum
Wer anschließend den eigentlichen Kirchenraum betritt, erlebt einen bemerkenswert geschlossenen und harmonischen Gesamteindruck. Die Kirche ist in ihrer ursprünglichen Ausdehnung weitgehend erhalten geblieben, wurde im Inneren jedoch über Jahrhunderte immer wieder verändert und neu ausgestattet. 
Romanische und gotische Bauteile verbinden sich mit barocker Ausstattung, Rokoko-Elementen und klassizistischen Ergänzungen. Die verschiedenen Epochen fügen sich erstaunlich selbstverständlich ineinander.
Auch die historischen Fenster aus der Mitte des 17. Jahrhunderts sind erhalten geblieben. Ihre Butzenverglasung gehört damit selbst zu den überlieferten Zeugnissen der Kirchengeschichte.
Die Raumgestaltung trägt wesentlich zur Wirkung bei. Die Seitenaltäre sind leicht schräg in den Raum gestellt und verstärken dadurch den Eindruck von Tiefe. Gleichzeitig bleiben die Sichtachsen innerhalb des Kirchenschiffs offen. Nichts verstellt den Blick auf das eigentliche Zentrum der Kirche: den Hochaltar.


Blick ins Kircheninnere: Romanik, Gotik und Barock verbinden sich trotz ihrer unterschiedlichen Stilformen zu einem harmonischen Gesamteindruck. Im Zentrum steht der Altar als beherrschender Mittelpunkt des Kirchenraums. Die Chorschranke stammt aus der Bibliothek des Klosters Polling.

Der Hochaltar – Mittelpunkt und besondere Kostbarkeit
Der Hochaltar bildet den künstlerischen und geistlichen Höhepunkt des Kirchenraums.
Der noch erhaltene gotische Altar aus Tuffstein wurde mit dem barocken Altar aus Lindenholz überbaut. Diese wird dem Weilheimer Bildhauer Franz Xaver Schmädl zugeschrieben und entstand 1747. Im Mittelpunkt steht eine bedeutende spätgotische Madonna mit Kind, die um 1525 in der Werkstatt Hans Leinbergers geschaffen wurde und der Leinberger Madonna in der Martinskirche in Landshut gleicht. 
Die wesentlich ältere spätgotische Madonna wurde bewusst in den neuen Altaraufbau integriert. So blieb ein wertvolles Kunstwerk erhalten und wurde zugleich Bestandteil einer völlig neuen künstlerischen Konzeption. Die Madonna ist etwas weiter nach hinten und höher positioniert als die beiden sie flankierenden beiden Kirchenpatronen, Johannes dem Täufer und Johannes dem Evangelisten. Dadurch entsteht eine wirkungsvolle räumliche Perspektive: Die kleinere gotische Figur erscheint optisch größer und gewinnt an Präsenz. Die später hinzugefügte Krone verstärkt diesen Eindruck zusätzlich.
Die drei Figuren bilden ein wiederkehrendes Motiv der Kirche und verleihen dem Hochaltar eine klare inhaltliche Mitte. Zwölf Engelsfiguren sowie weitere Schmuckelemente vervollständigen den eindrucksvollen Aufbau. Auch das später eingefügte, drehbare Tabernakel wurde in den vorhandenen Altaraufbau integriert, ohne dessen barocke Wirkung zu stören. 
Von hier aus öffnet sich der Blick zu den beiden Seitenaltären, die den Hochaltar räumlich ergänzen und zugleich die verschiedenen Stilepochen der Kirchenausstattung miteinander verbinden. Sie wurden um 1800 von Lukas Troger im frühklassizistischen Stil geschaffen, während die Altarblätter von Sebastian Jaud stammen. Für ihre Ausstattung wurden wiederum ältere Figuren aus der Kirche übernommen.


Blick auf den Hochaltar, flankiert von den Seitenaltären. Die Decke im Altarraum bewahrt gotische Elemente, während der Kirchenraum barock geprägt ist. Die zarte, pastellfarbene Bemalung entspricht der ursprünglichen Farbgestaltung.  Bemerkenswert sind zudem die im Original erhaltenen Flaschenbodenfenster


Detail der „Leinberger-Madonna“, um 1525, mit der zusätzlich aufgesetzten Krone

Von der Romanik zum Barock
Der Kirchenbau selbst erzählt eine lange Geschichte. Der romanische Kern wurde im Mittelalter mehrfach verändert. Im 13. Jahrhundert erhielt die Kirche gotische Elemente; erhalten blieb unter anderem das gemauerte gotische Gewölbe des Chorraums. Um 1500 wurde die Kirche mit Fresken ausgemalt, die später mit weißer Farbe übertüncht wurden.
Eine entscheidende Veränderung erfolgte um 1709.  Im Zuge der Barockisierung wurde 1709 die ursprüngliche Flachdecke entfernt und durch ein hölzernes Korbbogengewölbe ersetzt, eine Bauweise, wie sie auch bei der Wieskirche angewandt wurde. Das Gewölbe entstand aus einer leichten Holzkonstruktion: Auf gebogenen Holzbrettern wurden Schilfmatten befestigt. Die Schilfhalme wurden dabei so angeschnitten und aufgerichtet, dass der Putz einen guten Halt fand. Anschließend konnte der Putz direkt auf diese vorbereitete Oberfläche aufgetragen werden.
Der Stuck wird der Wessobrunner Schule und insbesondere Benedikt Perghofer aus Polling zugeschrieben. Anders als der üppige, schwere Stuck wirkt die Gestaltung hier vergleichsweise leicht und fein. Die einzelnen Ornamente wurden von Hand gefertigt, sodass keine Blüte und kein Blatt exakt dem anderen gleicht.
Besonders reizvoll ist die zarte, pastellfarbene Bemalung des Stucks, die der ursprünglichen barocken Fassung entsprechen. 
Gerade das Zusammenspiel von filigranem, handgearbeitetem Stuck und der zarten ursprünglichen Farbigkeit trägt wesentlich dazu bei, dass die barocke Ausstattung nicht schwer oder überladen wirkt, sondern sich harmonisch in den gesamten Kirchenraum einfügt.


Detail des um 1500 entstandenen spätgotischen Freskos hinter dem Altar. Die Fresken der Kirche wurden bei der Barockisierung übertüncht und 1938 teilweise wieder freigelegt.


Deckenfresko, um 1709: Maria als Himmelskönigin, flankiert von Johannes dem Täufer und Johannes dem Evangelisten. Der Künstler ist nicht bekannt.

Kostbarkeiten, die nach der Säkularisation gerettet wurden
Eine weitere Besonderheit liegt in den Ausstattungsstücken, die nach der Säkularisation von 1803 nach Deutenhausen gelangten. Wertvolle Stücke fanden hier einen neuen Platz und blieben dadurch erhalten.
Dazu gehören unter anderem die Baluster aus der ehemaligen Pollinger Klosterbibliothek. Sie wurden für die Chorschranke und die Emporenfront verwendet und farblich so angepasst, dass sie sich harmonisch in die klassizistische Ausstattung einfügen. Aus denselben historischen Balustern schuf Hans Pfister 2007/08 außerdem einen neuen Ambo und Osterleuchter.
Auch die Orgel kam aus dem säkularisierten Kloster Polling nach Deutenhausen. Sie wurde 1770 von dem Eberfinger Orgelbauer Jakob Lindner geschaffen. Die spätbarocke mechanische Orgel ist inzwischen vollständig renoviert.


Spätbarocke Orgel und Emporenbrüstung stammen aus dem ehemaligen Kloster Polling

Weitere Kleinode sind auch liturgische Gegenstände, die teilweise bis heute ihrer ursprünglichen Funktion dienen. So werden etwa Messgewänder aus der Zeit um 1700, die vollständig mit Goldstickerei versehen sind, noch heute bei Gottesdiensten verwendet. Auch eine barocke Monstranz aus dem 17. Jahrhundert gehört zur Ausstattung 
Einige unscheinbarere Ausstattungsstücke sind ebenfalls bemerkenswert, etwa der aufklappbare Beichtstuhl, der sich bei Bedarf öffnen und anschließend wieder platzsparend schließen lässt.


Beichtstuhl im geschlossenen Zustand: Äußerlich erscheint er wie eine schlichte Tür in der Kirchenwand. Erst beim Öffnen wird seine Funktion als Beichtstuhl sichtbar.


Der aufklappbare Beichtstuhl: Geöffnet werden Sitzplatz für den Priester und das Beichtfenster sichtbar , eine platzsparende historische Lösung, die bei Nichtgebrauch nahezu unsichtbar bleibt.

Zeugnisse der langen Wallfahrts- und Frömmigkeitsgeschichte sind Votivtafeln aus dem 18. und 19. Jahrhundert sowie ein Gemälde, das an die den Wallfahrern gewährten Ablässe erinnert. Zu den weiteren Kunstwerken gehören die Kreuzwegtafeln des Trostberger Malers Bauer, die 1862 erworben wurden, sowie ein Ölgemälde der „Schmerzhaften Madonna“ aus dem Herzogspital in München.


Wallfahrts- und Ablassbild der Muttergottes mit Jesuskind. Die Inschrift nennt die mit der Marienverehrung verbundenen Ablässe.


Schmerzhafte Muttergottes, aus der Münchner Herzogspitalkirche. Nach dem Gnadenbild von Tobias Bader, 1651.

Eine besondere Anekdote: das verlorene Marienbild
Eine besonders schöne und zugleich ungewöhnliche Geschichte verbindet Deutenhausen mit dem benachbarten Wessobrunn.
Das Marienbild „Mutter der Schönen Liebe“*, das einst in Deutenhausen hing, wurde 1986 für eine Ausstellung über den Maler Sebastian Jaud ausgeliehen. Danach kehrte das Bild nicht mehr nach Deutenhausen zurück. Bis heute lässt sich nicht vollständig klären, wie es dazu kam. Das Bild fehlte seitdem an prominenter Stelle in der Kirche.
Damit wollte sich Thomas Dorsch, Bürgermeister von Hohenpeißenberg, nicht abfinden. Er besaß in seiner Familie ein Marienbild aus der Zeit um 1750 und entschloss sich, es der Kirche als Ersatz für das verlorene Bild zu schenken. So kam wieder ein Marienbild an seinen früheren Platz.


„Mutter der schönen Liebe“, um 1750. Das aus Privatbesitz von Thomas Dorsch, Bürgermeister von Hohenpeißenberg, stammende Gemälde wurde der Kirche als Schenkung überlassen.

Die Gögerlburg 
Unsere nächste Station führte uns zum Gögerl, einem markanten Sporn des Hechenbergs südöstlich von Weilheim.
Von hier aus bietet sich ein weiter Blick über das Ammerseebecken und das Angerbachtal. Hier befand sich eine Abschnittsbefestigung des frühen Mittelalters, von der noch Teile einer Wall-Graben-Anlage mit vorgelagertem Graben deutlich sichtbar sind. Ein Gedenkstein erinnert zudem an die Klausner, die hier zurückgezogen lebten und neben ihrem religiösen Leben auch soziale Aufgaben wie Unterricht und Betreuung übernahmen.


Landschaftspanorama vom Gögerl mit Blick über das Voralpenland bis zu den Bayerischen Alpen.

Nur etwa 500 Meter entfernt liegt die zweite Befestigungsanlage, die im Volksmund als „Gögerlburg“ bezeichnet wird. Auch hier sind die Reste der Wallanlage noch deutlich im Gelände erkennbar. Die Anlage wird dem frühen bzw. hohen Mittelalter zugeordnet, ihre genaue Funktion ist jedoch nicht geklärt. Aufgrund ihrer geschützteren Lage wird sie als mögliche Flucht- oder Rückzugsburg interpretiert. Bearbeitete Tuffsteine, die später abgetragen wurden,  weisen darauf hin, dass ursprünglich Teile der Befestigung aus Stein bestanden haben könnten.
Die Befestigungsanlagen lassen sich in den historischen Zusammenhang der Ungarneinfälle des 9. und 10. Jahrhunderts stellen. König Heinrich I. erließ 926 eine Burgenordnung, die den Bau und Ausbau von Befestigungen und Fluchtburgen fördern sollte. Sie sollten der Bevölkerung bei feindlichen Angriffen Schutz bieten. Ob der Hechenbergwall und die Gögerlburg konkret im Zuge dieser Maßnahmen entstanden, ist allerdings nicht eindeutig belegt.


Schematische Darstellung der beiden frühmittelalterlichen Wallanlagen Hechenbergwall und Gögerlburg auf dem Hechenberg bei Weilheim 


Erhaltener Abschnitt des Walls der frühmittelalterlichen Befestigungsanlage am Hechenberg

Die Sage vom Gögerlfräulein
Mit dem Gögerl ist die Sage vom Gögerlfräulein verbunden. Sie erzählt von Rosalie und Thekla, den beiden Töchtern des letzten Ritters der Burg auf dem Gögerl. Thekla war seit ihrer Kindheit blind, während Rosalie als böse und geizig beschrieben wird.
Als nach dem Tod des Vaters das Erbe zwischen den Schwestern aufgeteilt werden sollte, soll Rosalie ihre blinde Schwester betrogen haben. Sie drehte den Messeimer um und füllte für Theklas Anteil nur den unteren Teil mit Geld, sodass diese den Betrug zunächst nicht bemerken konnte. Als Thekla später erkannte, dass ihre Schwester sie um einen Teil ihres Erbes betrogen hatte, soll sie Rosalie verflucht haben.
Von Schuld und Reue verfolgt, ging Rosalie schließlich in das Benediktinerkloster Wessobrunn, wo sie als Nonne lebte. Sie hielt ihr Ordensgelübde jedoch nicht ein sondern kehrte zum Gögerl zurück und verbarg sich in einem unterirdischen Gang der ehemaligen Burg. Dort soll sie schließlich vor Reue und Gram gestorben sein.


Lesung der Sage „Das Gögerlfräulein und die Gögeleburg zu Weilheim“. Im Hintergrund die Skulptur der Rosalie, der unglücklichen Schwester aus der Gögerl-Sage.

Seitdem, so die Überlieferung, erschien ihr Geist immer wieder auf der Burgruine: als weiß gekleidete Gestalt. Sie soll noch im Jahr 1822 von zwei Männern und um 1830 von einer Frau gesehen worden sein. Eine geschnitzte Holzfigur am Gögerl erinnert heute an diese geheimnisvolle Sage.
Eine interessante Entdeckung am Gögerl war der dortige Disc-Golf-Parcours. Ziel ist es, die Scheibe mit möglichst wenigen Würfen vom Abwurf bis in den Korb zu spielen; dabei führen die Bahnen durch das Gelände und bieten ganz unterschiedliche Herausforderungen.

Die Hardtkapelle
Nach einer deftigen Mittagspause im Wirtshaus zum Gögerl bei Schweinsbraten machten wir uns auf den Weg zu unserer letzten Station, der einsam im Wald gelegenen Hardtkapelle bei Haunshofen.


Die Wallfahrtskapelle Maria Hilf, genannt Hardtkapelle, auf der Magnetsrieder Hardt, erbaut 1865/66

Das Gnadenbild „Maria Hilf“des neugotischen Schnitzaltars bildet den Mittelpunkt der Ausstattung. Es wurde von Johann Baptist Baader, genannt „Lechhansl“ 1769, nach dem berühmten Maria-Hilf-Bild von Lucas Cranach dem Älteren geschaffen.  An der Vorderseite des Altars greift ein Bild die Gründungssage der Kapelle auf und zeigt den sogenannten Teufelstritt.


Blick in den neugotischen Innenraum mit dem Schnitzaltar und dem Gnadenbild „Maria Hilf“. Seitlich flankieren zwei Heiligenbilder den Altar; im Fußboden vor dem Altar ist der sogenannte Teufelstritt eingelassen.


Detail des neugotischen Hochaltars mit dem Gnadenbild „Maria Hilf“, einer Kopie nach Lucas Cranach d. Ä., gemalt von Johann Baptist Baader um 1765/69.

Im Mittelpunkt der Überlieferung steht ein Streit zwischen Weilheim und Haunshofen um die Weiderechte auf der Hardt. Um das Jahr 1250 sollen sich die Parteien dort wieder einmal heftig gestritten haben. Plötzlich erschien ein geheimnisvoller Hirte, setzte seinen Fuß auf einen Stein und sprach: „So wahr ich tritt in diesen Stein, so wahr ist dies Haunshofer G'mein!“ Danach verschwand die Gestalt und hinterließ einen deutlich sichtbaren Fußabdruck im Stein. Der Streit war damit beendet. Der Stein befindet sich heute noch im Boden vor dem Altar der Kapelle.


Darstellung des Streits um die Weiderechte auf der Hardt – Gründungsbild zur Sage von der Entstehung der Hardtkapelle

Die Kapelle wurde der Überlieferung nach um 1250 von den Haunshofern zum Dank für die zugesprochenen Weiderechte errichtet. Die heutige, der heiligen Anna geweihte Kapelle wurde 1865/66 im neugotischen Stil neu errichtet. Das Gnadenbild „Maria Hilf“ und zahlreiche Votivbilder zeugen von der langen Wallfahrtstradition. Auch in Zeiten von Krankheit und Seuchen suchten die Menschen hier Hilfe. Nach einer schweren Viehseuche im Jahr 1793 wurde ein Bittgang zur Kapelle eingerichtet, der die Wallfahrt bis heute prägt.
Zur Hardtkapelle führt zudem ein Kreuzweg mit 14 Stationen, der als Via Salvatoris bezeichnet wird. Die einzelnen Stationen begleiten den Weg zur Kapelle und machen ihn zugleich zu einem religiösen Besinnungsweg.
Um die Hardtkapelle ranken sich auch ältere Überlieferungen. Die abgeschiedene Lage der Kapelle macht den Ort besonders eindrucksvoll. Der abgelegene Platz soll bereits in vorchristlicher Zeit eine besondere Bedeutung als möglicher Versammlungs- oder Thingplatz gehabt haben. Die dort vorhandenen Steine werden teilweise mit dieser frühen Nutzung in Verbindung gebracht. Auch die Sage vom Teufelstritt könnte auf ältere Vorstellungen von besonderen Kraft- oder Kultorten zurückgehen. Zudem soll unter der Kapelle eine Wasserader verlaufen. Durchgeführte Mutungen“ weisen darauf hin, lassen sich jedoch nicht genau nachweisen. 
Auch die Umgebung der Hardtkapelle gibt Hinweise auf eine mögliche frühere Nutzung der Landschaft. Im Wald sind Geländemulden und dunkle Schlackereste zu finden, die als Spuren eines früheren Erzabbaus und seiner Verarbeitung gedeutet werden. Nach einer überlieferten Vorstellung wurde das eisenhaltige Material dabei mithilfe von Wasser ausgewaschen: Durch wiederholtes Aufstauen und Ablassen des Wassers konnten leichtere Gesteinsbestandteile weggespült werden, während das schwerere Erz zurückblieb. Nach örtlicher Überlieferung könnten diese Spuren sogar mit einer vorgeschichtlichen, möglicherweise keltischen Nutzung des Eisenerzes zusammenhängen. Ein eindeutiger archäologischer Nachweis hierfür steht jedoch noch aus.
Die Kapelle wurde der Überlieferung nach um 1250 von den Haunshofern zum Dank für die zugesprochenen Weiderechte errichtet. Die heutige, der heiligen Anna geweihte Kapelle wurde 1865/66 im neugotischen Stil neu errichtet. Das Gnadenbild „Maria Hilf“ und zahlreiche Votivbilder zeugen von der langen Wallfahrtstradition. Auch in Zeiten von Krankheit und Seuchen suchten die Menschen hier Hilfe. Nach einer schweren Viehseuche im Jahr 1793 wurde ein Bittgang zur Kapelle eingerichtet, der die Wallfahrt bis heute prägt.
So führte uns der Ausflug rund um Weilheim durch eine abwechslungsreiche Kulturlandschaft, in der sich Geschichte, Glaube und überlieferte Geschichten bis heute auf vielfältige Weise begegnen.